02.02.2008

Tracht und Mode

(Carolin Mündemann)

Die Tracht als Alltagskleidung ist fast völlig aus unserem Blickfeld verschwunden.
Heutzutage verbinden wir mit Tracht etwas „Urig-Gemütliches“ - wie es uns die Werbung zeigt - oder etwas Folkloristisches. In der Blütezeit der Tracht aber - vom 18. Jahrhundert bis teilweise weit ins 19. Jahrhundert - vermittelte Tracht in seinen verschiedenen Ausformungen ganz bestimmte Signale bzw. Codes.
Früher gehörten zu einer Tracht Hauben, Tücher, Röcke, Mieder, Leibchen, Hemden, Schürzen, Umschlagtücher, Strümpfe und Schuhe. Dies alles in einer Vielfalt und Qualität, jeweils nach dem Besitzstand der TrägerIn und unterschieden für die vielen verschiedenen Anlässe im Lebensverlauf, ebenso angepasst an den Jahresverlauf bzw. das Kirchenjahr.

Tracht als Kommunikationsmittel

Im dörflichen Lebenszusammenhang entwickelten sich Trachten zu einer eigenen kulturellen Struktur. Schnitt, Stoffwahl, Farben und Formen bildeten ein ganzes Kleidungssystem, als Ausdruck einer dörflich bäuerlichen Lebensordnung, welche nach strenger Sitte geregelt war. Tracht umschloß eine Fülle von wirtschaftlichen und sozialen Tatsachen: Die Werte und Normen des Besitzes, der Altersstufen und des Familienstandes bestimmten das äussere Erscheinungsbild. Kleidung diente zur Präsentation von Besitz und Wohlstand.
So konnten Volkstrachten, gleich in der Form, aber verschieden in der Ausführung, ein getreues Abbild der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse innerhalb einer Dorfgemeinschaft sein.

28.01.2008

Die Mode der 20er und 50er Jahre

(Steffi Verst)

-> Download der Ausarbeitung (In Kürze verfügbar)

· In den zwanziger Jahren findet man bei der aktiven modernen Frau klare Linien.
· Die Konfektion produziert die neuen schlichten Linien in großen Mengen, so dass für die meisten Frauen die Kleidung erschwinglich ist.
· So verkörpert die „Garçonne“ den Wunsch der Frauen, nicht mehr auf die Errungenschaften ihrer noch jungen Emanzipation verzichten zu wollen. Keine Anstandsdamen mehr, weniger Hüte, auch weniger Männer.
· Dieser androgyne Körper wurde der neue Frauentyp: flachbrüstig, die Rückenlinie glatt und ohne jede Kurve, die Haare zum Bubikopf oder Etonschnitt gekürzt und mit Brillantine gelackt, sie trug kniefreie Hänger, die die fleischfarben seidenbestrumpften Beine sehen ließen und die weibliche Linie dissimulierten.

· In den fünfziger Jahren kommt die Kleidung als Zeichen der Zugehörigkeit zu den weniger privilegierten Schichten der Gesellschaft, für den Beruf und für den Staat aus dem Bereich der Konfektion.
· „Nach der Befreiung mußte man den jungen Frauen, den Leserinne unsrer Zeitschrift, zunächst beibringen, sich zu waschen, regelmäßig die Wäsche zu wechseln und gut zu riechen.“ Zitat von der Journalisten Françoise Giroud, eine Pionierin der ELLE- Redaktion
· In dem „New Look“, kreiert von Christian Dior, äußert sich die Couture und knüpft somit an die „Welt von gestern“ an. Doch diese Mode, die sich durch eingeschnürte Taillen und Röcke in Kelchform äußert, ist nicht revolutionär denn sie zeigt restaurative Züge.
· Obwohl die Frauen das Wahlrecht erhalten, Zugang zur Arbeit haben, ihr eigenes Auto fahren dürfen, verrät ihre Silhouette eigentlich Nostalgie nach der Belle _poque. Niemals zuvor hat sich deutlicher gezeigt, wie sehr ein Trend jeder Logik, jeder fortschreitenden Entwicklung, jeder soziologischen Weitsicht, mag sie auch noch so wissenschaftlich fundiert sein, spotten kann.
· Erstmalig der Begriff Subkultur: Die Jugendlichen grenzen sich durch ihre Kleidung von den Erwachsenen ab. Die Männer tragen Jeans und Lederjacken und die Frauen Petty coats und Pferdeschwänze.


Diskussionsergebnis:


Gemeinsamkeiten der 20er und 50er Jahre

Lebensfreude
Freizügigkeit (in der Jugendmode)
Weniger Männer
Frauen waren präsenter
Verstärktes Konsumverhalten
Hüte
Weniger Arbeitslose
Wirtschaftsaufschwung

Unterschiede der 20er und 50er Jahre
Taillenbetonung
20iger sind freizügiger
20iger wirken grenzloser
Pseudobefreiung in den 50igern
Massenmedien
Maßschneiderung/ Konfektion
Modeschmuck
Weiblichkeit in den 50igern in den Frisuren und in der Kleidung
Subkultur in den 50igern





Körper und Schönheit

(Susanne Flacke)

-> Download Powerpoint-Präsentation (In Kürze verfügbar)

Auszug aus der Präsentation:

Wie wichtig ist mir die körperliche Schönheit?
a) die Eigene
b) die Fremde
Die Teilnehmer des Seminars bewerten ihre eigene Einschätzung auf einer Skala von wichtig- unwichtig.
Das Ergebnis:
- die eigene Schönheit wird dem Faktor wichtig zugeordnet
- die fremde Schönheit wird als weniger relevant Zugeordnet. Die Einschätzung erfolgt über ein breiteres Spektrum und kommt auf die Situation/Person an

Was zieht uns an einem „schönen Menschen“ an?



Haltung, Gestik, Frisur, Mimik, Stimme, Geruch, Lebendigkeit, Witz, Kleidung, Natürlichkeit, Persönlichkeit, Intelligenz, Ausgeglichenheit, Make-up, Gepflegtheit…

Schönheit wird als körperliches und geistiges Empfinden genannt.

Was wird für die Schönheit getan?

Wir betrachten die verschiedenen Eingriffsmöglichkeiten und die „Schönheit auf Raten“. Immer mehr Menschen arbeiten an ihrer Schönheit, sie sind unzufrieden mit ihrem Körper. Schönheitsnormen sollen erfüllt werden.


(Die Venus von Sandro Botticelli - Ein Schönheitsideal der Renaissance?)

Privilegiert Schönheit?




Treffen wir auf einen Fremden, haben wir uns im Handumdrehen ein Bild von ihm gemacht. Dabei zeigt sich eine merkwürdige Verbindung: Je schöner der Mensch, desto bessere Eigenschaften schreiben wir ihm auch zu. - Und dementsprechend behandeln wir ihn auch. Schon schöne Babies bekommen – selbst von der eigenen Mutter – mehr Aufmerksamkeit als weniger schöne, später mehr Zuwendung im Kindergarten, bessere Noten in der Schule, und so geht das gerade weiter…

Fazit
Die Schönheit wird als ein wichtiges Faktum in unserer modernen Gesellschaft bewertet. Hierbei bezieht sich diese auf körperliches und geistiges Empfinden der befragten Personen. Gleichzeitig wird immer mehr Aufwand betrieben, den Eigenen oder auch den von Außen auferlegten Normen zu entsprechen. Die Schönheit gilt als eine Einflussgröße, die über eine mögliche Privilegierung des einzelnen Individuums mitentscheiden kann.

22.10.2007

Seminar WiSe 2007/08

· Aktualisierte Literaturliste (PDF) (Stand 22.10.2007)
· Regeln für Hausarbeiten und Ausarbeitungen der Referate (PDF)
· E-Mail-Kontakt für Rücksprachen etc.: k.moeller@[spamschutz]screenshock.com -> "[spamschutz]" entfernen!

25.02.2007

Ankünpfungen und Grundlegendes

Modesoziologie II, WS 2006/07
Versuch einer Reflexion des Seminars mit Blick auf die soziologische Forschung
(von Klaus Möller)

Wenn man sich die verschiedenen Ausarbeitungen zum Thema Mode anschaut, wird ein breites Spektrum ganz unterschiedlicher Einzelthemen sichtbar, die wir mit Mode verbinden und man erhält den Eindruck, es handle sich dabei zudem um einen kleinen Ausschnitt aus den vielen Bereichen, die mit Mode etwas zu tun haben. Wenn wir nun das Verbindende zwischen all diesen Phänomen finden, dann müsste dies das Wesen der Mode sein.

Mode wird oft mit den Erscheinungen, die sie hervorruft, verwechselt. Aber Mode selbst hat nichts mit Kleidung, Frisuren, Farben, Formen etc. zu tun. Mode steht für Veränderung und zwar für eine bestimmte Form von Veränderung. Nicht von ungefähr heißt deshalb ein Buch zum Thema Mode "Die Verbindlichkeit des Vorübergehenden" (Esposito 2004). Wie Elena Esposito diesen Titel ausführt und begründet, werde ich weiter unten erläutern.

Das, was wir vielfach als Mode bezeichnen, ist also eine Auswirkung von Mode. Kleidung tragen ist eine Möglichkeit Mode sichtbar zu machen. Ungefähr so wie ein aufgeblasener Luftballon Luft sichtbar macht, die in ihm steckt, obwohl die Luft selbst unsichtbar bleibt.

Mode ist also die Voraussetzung für wechselnde Kleidungsstile und -trends. Und welche Voraussetzung hat Mode selbst? Unter welchen Bedingungen entsteht Mode bzw. unter welchen Bedingungen ist sie entstanden? Sie scheint ja mittlerweile fast alles zu bestimmen, was uns umgibt.

Glücklicherweise haben sich bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts einige kluge Köpfe mit diesen Fragen beschäftigt. Einer der ersten war Georg Simmel. Er hat bereits vor der Jahrhundertwende grundlegende Eigenschaften des Phänomens Mode erkannt. Simmel zufolge liegen zwei entgegengesetzte menschliche Bedürfnisse dem Phänomen Mode zugrunde: Das Sich-von-den-anderen-unterscheiden-wollen (Unterscheidungsbedürfnis) und das Dazu-gehören-wollen (Nachahmungsbedürfnis).

Simmel schreibt dazu in dem Aufsatz "Die Mode" aus dem Jahr 1911:

»Sie [die Mode] ist Nachahmung eines gegebenen Musters und genügt damit dem Bedürfnis an sozialer Anlehnung, sie führt den Einzelnen auf die Bahn, die alle gehen, sie gibt ein Allgemeines, das das Verhalten jedes Einzelnen zu einem bloßen Beispiel macht. Nicht weniger aber befriedigt sie das Unterscheidungsbedürfnis, die Tendenz auf Differenzierung, Abwechslung, Sich-abheben. [...] So ist die Mode nichts anderes als eine besondere Lebensform, durch die man die Tendenz nach sozialer Egalisierung mit der nach individueller Unterschiedenheit und Abwechselung in einem einheitlichen Tun zusammenführt.« (Simmel 1983, S. 40f)

Elena Esposito nähert sich fast ein Jahrhundert später dem Phänomen Mode mit Hilfe der Systemtheorie, greift zu Beginn ihrer Arbeit aber Simmels Erkenntnis auf und verweist auf die Paradoxie, die darin zu finden ist:

»In der Mode realisiert sich eine Form der Nachahmung in dem Versuch, die eigene Individualität durchzusetzen; man strebt Originalität an, indem man tut, was die anderen tun; man nimmt die reine Vorläufigkeit zum dauerhaften Anhaltspunkt; man nimmt eine Verbindlichkeit hin, nur weil sie sich ändert.« (Esposito 2004, S. 9)

Für Esposito steht das Prinzip Mode für das moderne Leben: Die traditionell eindeutige Ordnung wird nach und nach durch einen komplexen, nicht-beliebigen Umgang mit Erscheinungsformen erstezt:

»Die Mode ändert sich ständig, doch solange eine Mode währt, kann sie nicht geändert werden; sie hat keinen Zweck, dennoch gestattet sie es nicht, sich ihr zu entziehen. [...] Die Paradoxien der Mode [...] sind gerade ein Anzeichen für diese ausgefeilte Form der Erzeugung des Notwendigen aus dem Zufall heraus, die keinerlei Voraussetzung auf der materiellen Ebene bedarf.« (Esposito 2004, S. 10f)

Dass Mode keinen Zweck haben soll, widerspricht m.E. allerdings der oben erwähnten Annahme, dass Mode der Befriedigung zweier grundlegender menschlicher Bedürfnisse dient. Diese Grundbedürfnisse sollten jedoch nicht unhinterfragt als naturgebenen vorausgesetzt werden. Esposito bezieht den fehlenden Zweck vermutlich auf etwas von außen gesetztes.

Also dort wo von außen gesetzte Ordnungen und Regeln verschwinden, gewinnt Mode an Einfluss und bestimmt als ein komplexer Mechanismus die Verhaltensweisen der Menschen. Das rasante Ansteigen von Verordnungen, Bestimmungen und Regelungen, das mancher Orts wahrzunehmen ist (interessanterweise nicht selten dort, wo "Freiheit" großgeschrieben wird, wie z.B. in der Bildung) taucht in der Geschichte der Mode immer wieder auf und untermauert die genannte These vielmehr als ihr zu widersprechen. Nicht selten wurden Kleiderordnungen dann immer strikter, wenn die Wahrscheinlichkeit sie zu brechen und sich nach anderen Prinzipien zu kleiden, immer größer wurden. (vgl. Esposito 2004, S. 19ff)

Esposito beschreibt das Phänomen Mode mit Hilfe eines zentralen Elements der Systemtheorie und zwar der Beobachterperspektive. Vereinfacht werden dabei zwei Formen der Beobachtung (als Kommunikationsrahmen) beschrieben. Die Beobachtung erster Ordnung ist jene, über die sich ein System (z.B. der Mensch) sich von seiner Umwelt unterscheidet, indem es diese beobachtet. Die Beobachtung zweiter Ordnung ist jene, die die Beobachtung beobachtet und auch vom beobachteten System beobachtet werden kann. Auf Mode bezogen heißt dies, dass alle Modeerscheinungen dem Prinzip der beobachteten Beobachtung (2. Ordnung) unterliegen.

Klarer wird dies vermutlich in folgenden Ausführungen von Esposito:

»Das Phänomen der Mode kann auf der Ebene der Beobachtung erster Ordnung weder erklärt noch beschrieben werden: Die Mode betrifft nicht Gegenstände oder den Schein, sondern die Art und Weise ihrer Berücksichtigung. [...] - Meinungen, die zustande kommen, indem man die anderen beobachtet und indem man beobachtet, wie man von den anderen beobachtet wird. Die Mode hat also nicht direkt mit dem Schönen, dem Wahren oder mit irgendeiner Form von Authentizität zu tun, sondern ist eher auf einer Ebene anzusiedeln, auf der die Beobachtung die Orientierungsfunktion ersetzt, die zuvor durch den Bezug auf die Einheit der Welt (und der Wahrheit) sichergestellt war. [...] Die Gegenstände befördern sozusagen Beobachtungen, die sich wiederum auf diese richten, um sich miteinander zu vergleichen und gegenseitig zu beobachten.« (Esposito 2004, S. 30f)

Diese Prinzipien sind grundlegend und gelten laut Esposito auch für die Wahrnehmung des eigenen Körpers:

»Das Bild und die Wahrnehmung des eigenen Körpers ergeben sich aus der Beobachtung der Beobachtung und nicht aus einer vermeintlichen originären Körperlichkeit. Die Beobachtung zweiter Ordnung wird also nicht nachträglich eingeführt, sondern ist vielmehr der Ausgangspunkt für die Konstruktion und die (weibliche) Überprüfung der eigenen Identität.« (Esposito 2004, S. 164)

Wenn dem so ist, dann dient Mode in erster Linie zur Reduktion von Kontingenz (Möglichsein). Sie gibt dort Orientierung, wo keine festen Regeln und Vereinbarungen diese Funktion übernehmen:

»Die Mode gibt also an, wofür sich die anderen vermeintlich entscheiden werden, sie gibt an, was allgemein gefällt, ohne damit eine konforme Entscheidung - außer im abstrakten Sinne einer Konformität der Devianz [Abweichung] - zu erzwingen. Jeder kann sich ruhig für etwas anderes entscheiden, weiß dabei aber zumindest, wovon er ausgehen kann.« (Esposito 2004, S. 168)

Quellen:
- Esposito, Elena (2004): Die Verbindlichkeit des Vorübergehenden
- Simmel, Georg (1983, Orig. 1911): Die Mode. In: Simmel, Georg: Philosophische Kultur - Über das Abenteuer der Geschlechter und die Krise der Moderne